MTU Aero Engines AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A0D9PT0
Gründung 1934
Sitz München Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 11.273 (31. Dez. 2022)
Umsatz 5,33 Mrd. Euro (2022)
Branche Maschinenbau
Website www.mtu.de
Stand: 31. Dezember 2022

Die MTU Aero Engines AG mit Sitz in München ist ein börsennotiertes Unternehmen, dessen Geschäftsfeld die Herstellung und Instandhaltung von Triebwerken für die zivile und militärische Luftfahrt ist.

Beteiligungen

In der Triebwerksbranche sind Zusammenschlüsse zur Herstellung von Triebwerken in verschiedenen Konstellationen üblich, um die Entwicklungs- und Finanzlast auf mehrere Schultern zu verteilen.[15] Selbst größere Firmen könnten in Bedrängnis kommen, sollte ein Triebwerk am Markt nicht den erhofften Zuspruch finden. Hauptgrund für die hohen Entwicklungskosten ist neben der Komplexität von Triebwerken die vergleichsweise lange Zeitspanne vom Entwicklungsstart bis zur schlussendlichen Auslieferung. Auch werden die einzelnen Triebwerkstypen heute nicht mehr zu einem gewissen Grad aus vorangegangenen Militärtriebwerken abgeleitet, was insbesondere zu Zeiten des Kalten Kriegs oftmals der Fall war.[16]

Die MTU Aero Engines ist an diversen Konsortien beteiligt, die Triebwerke gemeinsam entwickeln und schließlich fertigen. Im zivilen Bereich ist dies beispielsweise bei International Aero Engines, dem Hersteller des Triebwerks V2500, der Fall. Eingesetzt wird es bei der McDonnell Douglas MD-90 und der Airbus A320-Familie. Die an den Flugzeugen der A320-Familie eingesetzten Triebwerke kommen in Schubversionen von 110 bis 150 kN zur Anwendung (Versionen A1 und A5/A5Select). An der McDonnell Douglas MD-90 war das V2500-D5-Derivat bis zur Produktionseinstellung des Flugzeugs im Jahr 2000 der Exklusivantrieb.[17]

Ein ähnlich aufgebautes Konsortium, die Engine Alliance, liefert mit dem GP7000 einen der beiden zur Auswahl stehenden Antriebe für den Airbus A380. Von diesem Triebwerk werden derzeit rund die Hälfte der insgesamt 200 bislang bestellten Großraumflugzeuge dieses Typs angetrieben. Das Triebwerk basiert wesentlich auf der GE90 sowie dem Pratt & Whitney PW4000.[18] Die Engine Alliance ist ein Gemeinschaftsunternehmen von General Electric und Pratt & Whitney, wird aber durch einige zusätzliche Partner ergänzt.

Zivile Projekte

Darüber hinaus ist das Unternehmen an zahlreichen weiteren Triebwerken als Partner beteiligt, hier eine Auswahl:

  • Pratt & Whitney PW4000: Hersteller ist der US-amerikanische Triebwerkshersteller Pratt & Whitney. Das Triebwerk ist – je nach Ausbaustufe – im Schubbereich zwischen 84.600 und 98.000 Pfund Schub angesiedelt. Damit gehört es zu den schubstärksten Triebwerken, die je gebaut wurden. Es war das erste Triebwerk, das von Anfang an eine 180-Minuten-ETOPS-Zulassung hatte. Eingesetzt wird es unter anderem an der Boeing 777, aber auch an verschiedenen Airbus-Mustern wie der A330 oder A310. Die MTU Aero Engines entwickelte das Turbinenaustrittsgehäuse und die Niederdruckturbine. Bei dieser ist das Unternehmen auch an der Fertigung beteiligt. Insgesamt beträgt der MTU-Anteil an diesem Triebwerk 12,5 Prozent.
  • Pratt & Whitney PW6000: Dieses Triebwerk wurde seit 1998 in Kooperation mit Pratt & Whitney entwickelt und ist eine Antriebsvariante für den Airbus A318. Erstmals in ihrer Geschichte fertigte MTU dabei an einem zivilen Triebwerk den kompletten Hochdruckverdichter und die komplette Niederdruckturbine. Endmontiert wurde das inzwischen nicht mehr gefertigte PW6000 am MTU-Standort in Langenhagen.
  • Pratt & Whitney PW2000: Das PW2000 ist eines der wenigen Triebwerke, die sowohl im zivilen (Boeing 757) als auch im militärischen Bereich (Boeing C-17) eingesetzt werden. Seit 1979 entwickelt MTU die Niederdruckturbine und das Turbinenaustrittsgehäuse. Zudem ist das Unternehmen an der Produktion der Niederdruckturbine beteiligt, sodass der MTU-Programmanteil insgesamt 21,2 Prozent beträgt.
  • Pratt & Whitney GTF™ Triebwerksfamilie: Dieses Triebwerk ist mit einem Getriebefan ausgestattet, sodass Fan und Niederdruckturbine in jeweils optimalen Drehzahlen laufen können. Die A320neo wird mit einer entsprechenden Variante dieses Triebwerkes angeboten. Die MTU hat am GTF je nach Anwendung einen Programmanteil von bis zu 18 Prozent[19] und ist für die Entwicklung und Fertigung der sogenannten schnelllaufenden Niederdruckturbine sowie der ersten vier Hochdruckverdichterstufen verantwortlich. Zudem werden Nickel-Blisks für weitere Bauteile des Hochdruckverdichters gefertigt.
  • Pratt & Whitney Canada PW800: Ein Zweiwellen-Zweistromtriebwerk für mittelgroße Geschäftsreiseflugzeuge, Schubklasse 10.000 bis 20.000 Pfund. Bei diesem Triebwerk ist die MTU mit 15 Prozent beteiligt. Die Beteiligung beinhaltet jeweils die Entwicklung und Fertigung von Hochdruckverdichter und Niederdruckturbine.
  • Pratt & Whitney Canada PW500 und Pratt & Whitney Canada PW300: Beide Antriebe sind Zweiwellen-Zweistromtriebwerke für mittelgroße Geschäftsreiseflugzeuge. Bei den Modellen PW305, PW306 und PW307 sowie den Modellen PW530 und PW545 ist die MTU mit 25 Prozent beteiligt. Die Beteiligung beinhaltet jeweils die Entwicklung und Fertigung von Niederdruckturbine, Gehäuse und Mischer.
  • General Electric GEnx: Das GEnx ist die Triebwerksfamilie der nächsten Generation des US-amerikanischen Herstellers. Es basiert auf dem General Electric GE90 und ist Nachfolger des General Electric CF6, dem meistverkauften Triebwerkstyp für Großraumflugzeuge. Die MTU hält am GEnx-Programm einen Anteil von 6,5 Prozent und ist für die Entwicklung, Fertigung und Montage des Turbinenzwischengehäuses verantwortlich.
  • General Electric GE9X: Das GE9X ist das Nachfolgetriebwerk des General Electric GE90 und Exklusivantrieb der Boeing 777X.[20] Die MTU entwickelt und fertigt das Turbinenzwischengehäuse, was einem Programmanteil von vier Prozent entspricht.[21] Der Markteintritt ist (Stand Februar 2023) für das Jahr 2025 vorgesehen.[22] Mit Stand Februar 2023 lagen 353 Festbestellungen für die 777X vor.[23]
  • Pratt & Whitney JT8D: Mit seinem Startschub von maximal 96,5 kN wird das JT8D in der Flugzeugfamilie McDonnell Douglas MD-80 eingesetzt. Beteiligt ist MTU an dem Programm mit 12,5 Prozent und dabei unter anderem verantwortlich für die Niederdruckturbinenschaufeln.

Militärische Projekte

In Kooperation mit GE Aviation ist die MTU als Risk-and-Revenue-Sharing-Partner am F414-, F110- sowie am T408-Programm beteiligt. Außerdem entwickelt, fertigt und betreut die MTU die Next European Fighter Engine (NEFE). Sie ist das Herzstück des Kampfflugzeugs der nächsten Generation, das im Zentrum des europäischen „Future Combat Air System“ (FCAS) steht. FCAS soll ab 2040 zur Verfügung stehen.

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